HHU - die Bürgeruniversität: Unsere Mission

Foto: Dieter Joswig / HHU

Als Bürgeruniversität sucht die HHU den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dafür bieten ihre Mitglieder zahlreiche öffentliche Veranstaltungen an, etablieren Diskussionsforen, fördern das bürgerschaftliche Engagement und beziehen Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Repräsentanten/innen aus Wirtschaft, Politik und Kultur in Forschung und Lehre ein.

Ganz im Sinne ihres Namenspatrons Heinrich Heine und des Bildungsbegriffs der Aufklärung fördert die Universität Erkenntnis und Reflexion bei allen Menschen, die in Kontakt mit ihr stehen, um so soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Veränderungsprozesse verantwortungsvoll mitzugestalten. In einer Zeit, in der wissenschaftsbasierte Erkenntnisse eine unverzichtbare Grundlage zur Beantwortung drängender Zukunftsfragen sind und in der valides Wissen einer hohen Dynamik ausgesetzt ist, erlangen das lebenslange Lernen, der kritische Diskurs und das Vertrauen der Bürger/innen in die Wissenschaft  besondere Relevanz. Als Bürgeruniversität möchte die HHU einen Beitrag leisten zur Sicherung einer freiheitlichen, mündigen und toleranten Gesellschaft, in der Ideale wie Weltoffenheit, das Streben nach Vernunft und eine humanistische Bildung gelten.

Warum "Bürger"universität?
  • Warum "Bürger"universität?

    Der Begriff "Bürgeruniversität" geht zurück auf die Vorstellung von einem mündigen "Bürger" und auf den Bildungsbegriff der Aufklärung. Die Aufklärung verfolgte das Ziel, die Gesellschaft durch Fortschritt, Rationalität, Bildung und Emanzipation weiterzuentwickeln und betonte die Selbstverantwortung und Souveränität jedes einzelnen Bürgers und jeder einzelnen Bürgerin.

    Diese Werte gewinnen angesichts neuer Herausforderungen im Umgang mit der Informationsflut in einer sich digitalisierenden Wissensgesellschaft, den aktuellen Diskussionen um "Fake News" und "Alternativen Fakten" sowie den anti-demokratischen Entwicklungen in Europa neue Relevanz. Die HHU sieht sich vor diesem Hintergrund in der Verantwortung als ganzheitliche Ausbildungsstätte, ihre Studierenden auf den Weg zu mündigen und weltoffenen Bürger/innen zu begleiten, die engagiert für Frieden, Freiheit und Demokratie eintreten.

    Als internationale Forschungsstätte setzt sie sich für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung ein und versteht sich als Ort des Dialogs mit einer mündigen Zivilgesellschaft, an dem erkenntnisgeleitete Debatten, kritische Reflexion und die Auseinandersetzung mit vielfältigen Sichtweisen auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen ihren festen Platz haben.

Was hat Heinrich Heine damit zu tun?
  • Heinrich Heine und die Bürgeruniversität

    Heinrich Heine als Namenspatron der Düsseldorfer Universität

    Seit 1988 trägt die Universität Düsseldorf den Namen des Dichters und Sohnes der Landeshauptstadt Heinrich Heine. Die Benennung der Universität nach Heine war über 20 Jahre lang Gegenstand zahlreicher Kontroversen zwischen Wissenschaftler/innen und Studierenden der Universität, Politiker/innen, Kulturschaffenden und Bürger/innen der Stadt Düsseldorf. Kritiker bezeichneten die geplante Umbenennung als "Schildbürgerstreich" und unzeitgemäßen "Personenkult".

    Heute können wir uns glücklich schätzen, dass die Entscheidung für Heinrich Heine als Namenspatron gefallen ist. Kein anderer Schriftsteller hätte mit seinem Werk und den durch ihn verkörperten Werten - Toleranz, Weltoffenheit, Gleichheit und Freiheit - die Bürgeruniversität besser repräsentieren können als er. Denn als Bürgeruniversität öffnet sich die HHU ganz im Sinne Heines verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, ermuntert Bürger/innen zu Dialog und Teilhabe, vermittelt ihren Studierenden eine breite, humanistische Bildung und gestaltet mit ihren Forschungsergebnissen den Fortschritt der Gesellschaft mit.


    Heinrich Heine als engagierter Dichter und europäischer Kosmopolit

    Heinrich Heine (1797­-1856) war ein kritischer Geist und dabei nicht frei von inneren Widersprüchen: zu Beginn seiner literarischen Karriere rückwärtsgewandter Romantiker, später prosaischer Revolutionär; heimatliebend und zugleich schärfster Kritiker seines Herkunftslandes. Heine erlebte seine Gegenwart - die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts - als Umbruchs- und Krisenzeit. In den Augen des Dichters versuchten die Vertreter des Adels und der Geistlichkeit, die Herausbildung einer bürgerlichen Gesellschaft zu verhindern, für die die Freiheit des Geistes, der Religion und den Wissenschaften unabdingbar war. In seinen literarischen Texten, im Feuilleton und in politischen Schriften bekannte sich der überzeugte Demokrat immer wieder zu Freiheit, Gleichheit und einem friedlichen Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen. Vor allem die nationalistischen und reaktionären Tendenzen in Europa in der Zeit nach dem Wiener Kongress betrachtete er mit großer Sorge. "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht", lauten die vielzitierten Verse aus dem 1844 erschienen Gedicht "Nachtgedanken".


    Heines Vorstellung vom aufgeklärten Bürgertum und gesellschaftlicher Teilhabe

    Als Schriftsteller, Korrespondent und Feuilletonist entwickelte Heine einen neuen ironischen Ton, von dem sich die deutsche "Leitkultur" zeit seines Lebens und lange darüber hinaus provoziert fühlte. Mit Witz, Spott und Satire schrieb er gegen Spießertum, Untertanengeist, Nationalismus und überkommene Autoritäten an. Heines Werk stellt die bürgerliche Welt in den Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Sie ist eine Literatur von Bürgern für Bürger. Von der Bürgergesellschaft forderte er, dass sie sich nicht als Opfer der Verhältnisse sehen, sondern ihre gesellschaftliche Wirklichkeit aktiv mitgestalten sollte. Die Aufklärung und ein immer selbstbewusster werdendes Bürgertum haben im 19. Jahrhundert Fortschrittsprozesse angestoßen, die in vielen Lebensbereichen des Menschen zu Verbesserungen geführt haben. Dogmen, überholte Traditionen und Autoritäten wurden durch Vernunft, demokratische Debatten und die wissenschaftsgetriebene Suche nach Wahrheit ersetzt. Damit zog das Ideal der Aufklärung in unsere Gesellschaft ein, das bis heute fortwirkt.


    Die Bürgeruniversität in der Tradition Heinrich Heines

    Die Errungenschaften der Aufklärung sind auch für unsere Gegenwart nicht selbstverständlich. Wenn wir Werten wie Toleranz, Liberalität und Freiheit sowie der evidenzbasierten Suche nach Wahrheit nicht weiter verpflichtet bleiben, gefährden wir nicht nur diese Werte, sondern auch den weiteren Fortschritt. In einer Zeit, in der schlichte Unwahrheiten zu "alternativen Fakten" erklärt und wissenschaftliche Erkenntnisse als "Fake News" herabgewürdigt werden, sind diese Werte wichtiger denn je.

    So wie Heine sich um die Herausbildung eines emanzipierten und aufgeklärten Bürgertums bemüht hat, ist es auch der HHU ein Anliegen, dass Bürgerinnen und Bürger sich ein eigenständiges und vorurteilsfreies Bild über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen machen. Dazu verpflichtet sich die HHU in der Tradition Heinrich Heines der Idee der Bürgeruniversität. Sie möchte einen substanziellen Beitrag zur Reflexionsfähigkeit der Bürger/innen leisten - als kritischer Staatsbürger, kritischer Konsument und kritischer Rezipient von Medien, Literatur, Musik und Kunst. Damit übernimmt die HHU gesellschaftliche Verantwortung und arbeitet an der Sicherung einer freiheitlichen, mündigen und toleranten Gesellschaft mit.

    Heinrich Heine unterstütze die progressiven Kräfte seiner Zeit und den wissenschaftlichen Fortschritt. Gleichzeitig hinterfragte er aber auch dessen Folgen und Risiken. Ebenso ist es für die HHU unerlässlich, die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und die Konsequenzen wissenschaftlicher Erkenntnisse kontinuierlich zu hinterfragen. Umstrittene Forschungsthemen - wie etwa Eingriffe in das Erbgut im Rahmen der Genforschung, Tierversuche beispielsweise zur Entwicklung neuer Medikamente oder die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz - bedürften des ständiges Austausches mit der Öffentlichkeit. Nur durch einen solchen Dialog können sowohl das Interesse an als auch das Vertrauen in die Wissenschaft gestärkt werden.

Wie ist das Verhältnis von Transfer und Bürgeruniversität zueinander?
  • Wie ist das Verhältnis von Transfer und Bürgeruniversität zueinander?

    Die HHU geht von einem weiten Transferverständnis aus, das bisweilen als Third Mission bezeichnet wird (dritte Leistungsdimension neben Forschung und Lehre). Der erweiterte Transferbegriff erfaßt sämtliche forschungs- und lehrbezogenen Interaktionen wissenschaftlicher Akteur/innen mit Interessengruppen aus Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, Medien, Gesundheitssektor und Politik, die auf einen Transfer von Wissen, Erkenntnissen und Technologien aus Forschung und Lehre in die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft zielen. Durch diese Erweiterung werden neben dem klassischen Technologietransfer auch das gesellschaftliche und kulturelle Engagement, der Wissenstransfer sowie die Weiterbildung erfaßt.

    Die HHU weist neben ihren Aktivitäten im Bereich des klassischen Technologietransfers, der Forschungskooperationen und Netzwerke mit der Wirtschaft, die Erteilung von Lizenzen und die Anmeldung von Patenten sowie den Bereich der Gründungsförderung umfasst, besondere Stärken in den Bereichen "Wissenstransfer" und "gesellschaftliches Engagement"  auf. Das große Engagement in diesen beiden Teilbereichen des Transfers überschreibt die HHU mit der Marke "Bürgeruniversität".

In welchem Verhältnis stehen Bürgeruni und die Wissensregion Düsseldorf?
  • In welchem Verhältnis stehen Bürgeruniversität und die Wissensregion Düsseldorf?

    Wissen ist ein zentraler Standortfaktor für Düsseldorf und die Region - ob es um einen chancengleichen Zugang zur Bildung geht oder um die Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Staat, Wirtschaft, Forschungseinrichtungen und den Hochschulen. Als offene, dialogorientierte und kooperative Bürgeruniversität entspricht es dem Selbstverständnis der HHU, sich mit ihren Kooperationspartnern in Stadt und Region gemeinsam für den Bildungs- und Wissenschaftsstandort Düsseldorf einzusetzen. Um die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen, die sich bei diesen Themen engagieren, zu verbessern und der gesamten Region ein deutlicheres Profil zu geben, hat die HHU mit der Auftaktkonferenz "Wissensregion Düsseldorf" im Februar 2017 einen Prozess angestoßen, der im September 2017 in der Gründung des Vereins Wissensregion Düsseldorf e.V. mündete.

    Die HHU ist Gründungsmitglied des Vereins Wissensregion Düsseldorf e.V. Ziel des Vereins ist es, ein starkes und dauerhaftes Netzwerk "Wissensregion Düsseldorf" zu etablieren, in dem mittels konkreter Projekte Wissen und Wissenschaft noch stärker in der Landeshauptstadt und der Region verankert werden. Insbesondere als Bildungsstandort für junge Menschen sollen Düsseldorf und die Region an Attraktivität gewinnen.

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